Zum Inhalt

21. Wirkmodell-Autor-Workflow

Dieser Workflow beschreibt den Arbeitsablauf für Personen, die Wirkmodelle anlegen, pflegen und veröffentlichen. Analog zu Kap. 20, aber mit zwei grundlegend verschiedenen Dimensionen: UI-Modell (MVC-Prinzip + Fokusprinzip) und Import (prominenter und wissenschaftlich spezialisierter).

↗ Querverweis: Literaten-Workflow – vgl. Kap. 20 ↗ Querverweis: Objekt- und Lebenszyklusmodell – vgl. Kap. 7.4

20.1 Onboarding

Schritt 1: Einstiegspfad Fünf Optionen gleichwertig.

OPTION A – LEERES MODELL

→ Leerer Wirkraum. Leitfragen: thematischer, zeitlicher und räumlicher Geltungsbereich, Abstraktionsebene, Modellzweck. ↗ Querverweis: Wirkraum – vgl. Kap. 7.3.1

OPTION B – IMPORT

→ Formate: JATS XML, BibTeX/RIS, PDF, OWL/RDF. Vollwertiger Einstiegspfad, kein Hilfsmittel. Details: vgl. Kap. 21.4.

OPTION C – GEGENENTWURF

→ Variante A: gleicher Wirkraum, abweichender Axiomraum. Variante B: gleicher Wirkraum, erweiterte Modelltiefe. Variante C: konkurrierendes Wirkmodell mit anderem Wirkraum. Bidirektionale Wirkmodell-Wirkmodell-Relation wird angelegt. ↗ Querverweis: Konflikt- und Variantenrelationen – vgl. Kap. 7.6.5

OPTION D – VERBUND

→ Mehrere Wirkmodelle als Teilmodelle. Verbundstruktur: Abhängigkeits-, Input-Output- oder Zeitrelationen. Sofortige Schnittstellenkompatibilitätsprüfung. ↗ Querverweis: Wirkmodellverbünde – vgl. Kap. 7.6

OPTION E – ONTOLOGIE-IMPORT

→ Startet mit Import einer formalen Ontologie (OWL, RDF, RDFS, SKOS). Leitet in Kap. 21.4.5 weiter.

Schritt 2: View-Präferenz Alle Views zeigen dasselbe Modell. Änderungen in einem View sofort in allen sichtbar.

GRAPH (VOREINSTELLUNG) Netzwerkorientiert. Modellelemente als Knoten, Relationen als gerichtete Kanten. Fokusprinzip: aktives Element zentriert. Kanten sind selektierbar und editierbar – Kausalrelationen sind reich attributierte Objekte; Klick öffnet vollständiges Objekt.

TEXT Strukturierter Texteditor. Ideal für natürliche Sprache und komplexe Attribute.

TIMELINE Zeitachsenansicht nach Zeitscheiben und Geltungsperioden.

TABELLE Elementtyp als Zeilen, Attribute als Spalten. Direkt editierbar.

BAUM Hierarchische Teil-Ganzes-Ansicht. Primär Navigationswerkzeug.

Weitere Views möglich; MVC-Prinzip stellt sicher, dass sie das Modell nicht verändern.

Schritt 3: Systemverhalten Identisch mit Kap. 20.1, Schritt 3: still / dezent / aktiv.

↗ Querverweis: Systemverhalten – vgl. Kap. 20.1, Schritt 3

20.2 Das UI-Modell

20.2.1 MVC-Prinzip Eine einzige interne Repräsentation (Objektmodell aus Kap. 7.4). Views sind Fenster darauf. Text-View, Graph-View, Timeline-View – alle zeigen dasselbe Modell. Keine "Graph-Version" und "Text-Version".

↗ Querverweis: Objektmodell – vgl. Kap. 7.4 20.2.2 Fokusprinzip Immer genau ein fokussiertes Element als Anker. Alle anderen Elemente ordnen sich nach semantischer Nähe (gemäß Relationensystem aus Kap. 7.4.4) um diesen Anker. ↗ Querverweis: Relationen zwischen Objektklassen – vgl. Kap. 7.4.4 20.2.3 Graph-View: Kanten als editierbare Objekte Kausalrelationen sind im Objektmodell reich attributierte Klassen (Mechanismus, Polarität, Zeitverzögerung, Unsicherheit, Geltungsbereich). Im Graph-View sind daher Kanten selektierbar und editierbar: → Klick auf Kante: selektiert die Relationsinstanz. → Doppelklick: öffnet vollständiges Objekt zur Bearbeitung aller Attribute. → Neue Kante per Drag: System fragt nach Relationstyp und weiteren Attributen. → Konflikte: rote Kante. Lücken: gestrichelter Knoten. Prüfpflichtig: Indikator. ↗ Querverweis: Kausalrelation als Objektklasse – vgl. Kap. 7.3.5 und 7.4.3 D

20.3 Statusmodell für Wirkmodelle

Jedes Wirkmodell hat zu jedem Zeitpunkt genau einen Status.

PRIVAT Nur für Hauptautor sichtbar. Standard nach Anlage.

GETEILT Für explizit eingeladene Personen. Kollaboration möglich.

REVIEWFÄHIG Bereit für strukturiertes Feedback. Reviewende können kommentieren.

INTERN SICHTBAR Für alle Plattformnutzer. Noch nicht im öffentlichen Katalog.

KATALOGSICHTBAR Öffentlicher Katalog. Literaten können als Grundlage nutzen. Benachrichtigungen bei Änderungen aktiv.

ARCHIVIERT Nicht aktiv, bleibt zugänglich. Keine neuen Verknüpfungen.

ERSETZT Nachfolger-Link hinterlegt. Bestehende Verknüpfungen werden hingewiesen.

ZURÜCKGEZOGEN Aktiv zurückgezogen. Begründung Pflicht. Verknüpfungen werden benachrichtigt.

Statusübergänge: Privat → Geteilt → Reviewfähig → Intern sichtbar → Katalogsichtbar. Von dort: Archiviert, Ersetzt oder Zurückgezogen. Rückwärtstransitionen nur mit Begründung.

↗ Querverweis: Lebenszyklusmodell – vgl. Kap. 7.4.7

20.4 Import im Detail

Import ist vollwertiger, häufig genutzter Einstiegspfad. Generell gilt für alle Importpfade:

→ Urheberrechtshinweis: Das System erinnert beim Import auf mögliche urheberrechtliche Grenzen. Das System leistet keine Rechtsberatung. Die rechtliche Verantwortung verbleibt vollständig bei der modellierenden Person. → Automatische Quellenangabe: Bei jedem durch Import entstandenen Modellelement wird automatisch eine Quellenangabe hinterlegt (Titel, Autor, Jahr, DOI, Typ). Diese ist im Transparenzbericht sichtbar und kann nicht gelöscht, nur ergänzt werden. 20.4.1 JATS XML Standardformat für wissenschaftliche Artikel (PubMed, PMC, CrossRef). Extraktion: Metadaten, Abstract, Volltext, Referenzliste. Das System extrahiert voräufige Claims, Kausalrelationen, Annahmen und Evidenzbezüge zur Bestätigung durch die modellierende Person. Mehrere Dokumente können nacheinander importiert werden; System erkennt übereinstimmende und widersprechende Claims. ↗ Querverweis: Evidenzobjekte – vgl. Kap. 7.3.9 und 7.4.3 C 20.4.2 BibTeX / RIS Literaturverwaltung (Zotero, Mendeley, EndNote). Metadaten ohne Volltext. Je Referenz ein Evidenzobjekt. Manuelle Verknüpfung mit Claims. Volltext-Ergänzung nachträglich möglich. 20.4.3 PDF mit Textextraktion Häufigstes Format; weniger zuverlässig als JATS. System extrahiert Text, behandelt ihn wie Freitext im Text-View. Gescannte PDFs ohne Maschinentext: Hinweis, keine Verarbeitung möglich. 20.4.4 OWL / RDF (Formale Ontologien) Sonderfall: Quelldaten bereits formal strukturiert. System übersetzt: Klassen → Entitäten; Properties → Relationen; Axiome → Annahmen; Restrictions → Geltungsbedingungen. Übersetzung nie vollständig verlustfrei – mehrdeutige Stellen werden als Mehrdeutigkeitsmarkierungen gekennzeichnet. Einstiegspfad E leitet direkt hierher. Hinweis zu lizenzierten Ontologien: Besonders relevant bei kommerziell lizenzierten Vokabularen (z.B. SNOMED CT, MeSH). ↗ Querverweis: Objektklassen – vgl. Kap. 7.4.3 ↗ Querverweis: Mehrdeutigkeitsmarkierung – vgl. Kap. 7.4.3 F

20.5 Phase 1: Freies Modellieren

20.5.1 Systemverhalten im Hintergrund Sobald ein Modellelement gespeichert wird:

→ Strukturprüfung: vollständig typisiert? Pflichtattribute vorhanden? Unverbundene Knoten? → Lokale Konsistenzprüfung: Widersprüche im selben Geltungsbereich? → Lückenprüfung: fehlender Wirkmechanismus? Kausalrelation ohne Quelle/Ziel? Claim ohne Evidenz? → Mehrdeutigkeitsprüfung: gleicher Begriff unterschiedlich verwendet? → Verbundprüfung (wenn Teil eines Verbunds): Schnittstellenkompatibilität bei Änderung von Inputs/Outputs. ↗ Querverweis: Prüfverfahren – vgl. Kap. 7.5 20.5.2 Modellrestrukturierung Regelmäßiger Vorgang. System unterstützt: Neu-Situierung, Extraktion als eigenes Wirkmodell, Zusammenführung. Alle Operationen als Transformationsrelation protokolliert und rükgängig machbar. ↗ Querverweis: Modellrestrukturierung – vgl. Kap. 7.7

20.6 Phase 2: Veröffentlichungs-Gateway

Analog zu Kap. 20.3, mit wirkmodellspezifischen Prüfungen. Wirkmodelle können unabhängig von Narrativen veröffentlicht werden. 20.6.1 Rechtskonformitätsprüfung Das System prüft auf Konformität mit dem deklarierten Rechtsraum. Das System leistet keine verbindliche Rechtsberatung. Verantwortung verbleibt bei der modellierenden Person. 20.6.2 Wirkmodellspezifische Prüfungen

→ Vollständigkeitsprüfung über Kompetenzfragen. → Schnittstellenprüfung: Inputs/Outputs definiert und typkompatibel? → Verbundprüfung: Modellverträge erfüllt, Abhängigkeiten auflösbar? → Versionierungsprüfung: Abhängige Artefakte werden über neue Version benachrichtigt. ↗ Querverweis: Prüfverfahren – vgl. Kap. 7.5 ↗ Querverweis: Verbundprüfung – vgl. Kap. 7.8 20.6.3 Statusmodell im Gateway Das Gateway überführt das Wirkmodell durch die Statuskette. Jeder Schritt erfordert erfüllte Voraussetzungen. ↗ Querverweis: Statusmodell – vgl. Kap. 21.3 20.6.4 Änderungen nach Veröffentlichung Änderungen erzeugen neue Versionen. Abhängige Artefakte bleiben auf alter Version; werden über neue Version benachrichtigt. ⏸ Geparkt: Vollständiges Versionsmanagement – geparkt, vgl. 20.9

METADATEN FÜR DEN KATALOG

→ Analog zu Kap. 20, Schritt 2.5: Cover, Klappentext und Tags für Wirkmodelle. Beim Wirkmodell kann der Klappentext den Wirkraum, die zentrale Fragestellung und die wichtigsten Erklärungsansätze für Nicht-Fachleute beschreiben.

Recycling und Wirkmodell-Einzug: Wenn ein Literat ein Werk recycelt und dabei ein neues Wirkmodell einzieht, kann er direkt aus der Autorenumgebung auf den Wirkmodell-Katalog zugreifen. Das Refactoring-Tool nutzt die Wirkmodell-Repräsentation, um betroffene Textstellen zu identifizieren.

↗ Querverweis: Recycling und Refactoring-Tool – vgl. Kap. 20.9 → Tags können sowohl domänenspezifisch (z.B. Klimapolitik, Gesundheitssystem) als auch methodisch (z.B. Kausalmodell, Szenarioanalyse) sein. ↗ Querverweis: Katalog und Entdeckung – vgl. Kap. 22.2

20.7 Kollaboration

Identisch mit Kap. 20.5: Hauptautor, Co-Autor, gleichberechtigter Autor, begrenzte Einladungen, Rechtsraum.

↗ Querverweis: Kollaboration – vgl. Kap. 20.5

20.8 Designprinzipien

EINE REPRÄSENTATION, VIELE VIEWS Einzige Modellinstanz; Views sind Fenster darauf.

FOKUS STATT ÜBERSICHT Zentriertes Element + semantische Umgebung. Komplexität durch Navigation beherrschbar.

IMPORT ALS GLEICHWERTIGER EINSTIEG Mit automatischer Quellenangabe und Urheberrechtshinweis bei jedem Importpfad.

KANTEN SIND OBJEKTE Kausalrelationen sind reich attributierte Objekte; Kanten im Graph-View sind selektierbar und vollständig editierbar.

STATUSMODELL ALS LEITFADEN Explizites Statusmodell von privat bis katalogsichtbar; transparente Archivierung, Ersatz oder Rückzug.

MODELLRESTRUKTURIERUNG IST NORMAL Explizit unterstützt, protokolliert, rükgängig machbar.

DAS SYSTEM FRAGT, ES URTEILT NICHT Urheberrechtshinweise als Erinnerung, keine Verbote. Keine Rechtsberatung.

ERWEITERBARKEIT DER VIEWS MVC ermöglicht neue Views ohne Modelländerung.

20.9 Geparkte Themen

VERSIONSMANAGEMENT ⏸ Geparkt: Abhängigkeitsgraph; Breaking-Change-Erkennung und -Kommunikation.

WEITERE VIEWS ⏸ Geparkt: Matrixansicht; Netzwerkkarte für Verbundstrukturen.

KI-EXTRAKTION ⏸ Geparkt: Qualitätsschwellen, Konfidenzwerte, widersprechände Extraktion aus mehreren Quellen.

KOLLABORATIVER REVIEW ⏸ Geparkt: Peer-Review-Verfahren analog zu wissenschaftlichen Zeitschriften.

DOMÄNENONTOLOGIEN ⏸ Geparkt: SNOMED, MeSH, ENVO als Standardreferenzrahmen.

VERBUND-GOVERNANCE ⏸ Geparkt: Rechte und Pflichten bei Verbund-Änderungen.

LOGGING ⏸ Geparkt: Protokollierung von Modellierungshandlungen.