5. Die Autorenumgebung als Kernprodukt¶
Strategisch ist die Plattform primär als Autorenumgebung zu verstehen. Das bedeutet: Der zentrale Innovationspunkt liegt nicht zuerst in der Leseroberfläche, sondern in der Infrastruktur zur Erzeugung strukturierter, konsistenter und transparenter Inhalte.
Die Leserumgebung bleibt wichtig, ist aber nicht auf ein einzelnes Format festgelegt. Die Inhalte können später über verschiedene Kanäle ausgespielt werden: als Texte, E-Books, interaktive Webformate, Videos, Podcasts, Lernmodule, Visualisierungen oder Social-Media-Formate. Entscheidend ist, dass der epistemische Kern der Inhalte in der Autorenumgebung entsteht.
Dieser Kern besteht aus:
dem gewählten Wirkmodell und seinem Axiomraum,
den expliziten Annahmen,
den Kausalbeziehungen,
dem narrativen Text,
den implizit erkannten Voraussetzungen,
dem Konsistenzstatus,
dem epistemischen Transparenzbericht.
Die Autorenumgebung erzeugt damit nicht einfach Geschichten. Sie erzeugt medienneutrale, maschinenlesbare Wissensnarrative. Diese können anschließend in unterschiedliche Zielmedien übertragen werden.
Dieser Ansatz hat mehrere Vorteile:
Inhalte bleiben über Formate hinweg konsistent.
Die zugrundeliegenden Annahmen können in jedem Ausgabemedium mitgeführt werden.
Unterschiedliche Zielgruppen können über unterschiedliche Medien erreicht werden.
Die Plattform bleibt anschlussfähig für Folgeprodukte und externe Distribution.
Damit entsteht eine klare strategische Positionierung: Authoring-first, distribution-agnostic. Das Projekt beginnt mit der Erstellung epistemisch transparenter Narrative und bleibt offen für verschiedene Formen der Veröffentlichung.
↗ Querverweis: Literaten-Workflow – vgl. Kap. 20
↗ Querverweis: Wirkmodell-Autor-Workflow – vgl. Kap. 21
Die Plattform kennt zwei spezialisierte Autorenschaften, die auf der Plattform zusammenarbeiten:
→ Wirkmodell-Autoren legen formale Modelle an, importieren wissenschaftliche Literatur (JATS XML, BibTeX, PDF, OWL/RDF), pflegen Axiomräume und veröffentlichen Wirkmodelle in einem achtstufigen Statusmodell (privat bis katalogsichtbar).
→ Literaten schreiben Geschichten auf Basis von Wirkmodellen. Das System unterstützt sie mit Claim-Extraktion, Konsistenzprüfung und einem Gateway, das vor der Veröffentlichung Transparenz über alle Annahmen sicherstellt.
Das Veröffentlichungs-Gateway ist das konzeptionelle Herzstück: Kein Text kann ohne vollständigen Transparenzbericht veröffentlicht werden. Kritische Befunde (direkte Widersprüche zum Axiomraum) blockieren die Veröffentlichung. Nicht-kritische Befunde (offene Annahmen, Mehrdeutigkeiten) können transparent ausgewiesen werden. Die schreibende Person entscheidet – das System zwingt zur Klarheit, nicht zur Konformität.
↗ Querverweis: Literaten-Workflow inkl. Gateway – vgl. Kap. 20
↗ Querverweis: Wirkmodell-Autor-Workflow – vgl. Kap. 21